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Abenteuer-Transylvanien - Eine Motorradreise im Januar 2007 durch die Karparten von Rumänien
Seit Stunden spüre ich das Rumpeln am Hinterrad und höre das Klackern der selbstgebauten Schneeketten an meiner kleinen Kawasaki GPZ 305. Der Schnee wird immer dichter, die Freunde fahren voraus und die Räumfahrzeuge schaffen schon lange nicht mehr die Strassen im bayrischen Wald vom Schnee zu befreien. Es ist stockdunkel und die Temperatur steht auf minus 4,7 Grad. Was mache ich eigentlich hier? Man muss schon eine fixe Idee haben und ein bisschen verrückt sein, um sich so etwas auszudenken.
Angefangen hat es im Sommer 2006 auf dem Motorradreisetreffen in Gieboldehausen. Ein Förderpreis gesponsert, von dem MRT Gieboldehausen, der Karawane in Duisburg, Abenteuer Motorrad, Fa.Touratech, Fa Baehr und Continental, wurde ins Leben gerufen. Und genau mit diesem Förderpreis konnte ich meine Freunde Elmar Stegen, Rainer Pesch und Guido Houy überreden, mit mir ein einmaliges Wintermärchen im Januar 2007 zu erleben.
Nachdem ich den Förderpreis gewonnen hatte, wurden die kleinen Solo-Wintermaschinen präpariert und wir fuhren über Österreich, Ungarn, durch Rumänien mitten in die Karpaten nach Transsylvanien. 16 Tage sollte die Reise dauern und knappe 4100 KM mussten wir bezwingen. Enden wird die Reise in München, aber nicht ohne vorher das Elefantentreffen in Thumansbang Solla zu besuchen. Und genau hier befinde ich mich. Während das Schneetreiben immer dichter wird, muss ich mich darauf konzentrieren nicht die Balance und den Grip der Reifen, zu verlieren. 
Trotzdem schweifen meine Gedanken an den Anfang der Reise: Genervt von einem chaotischen Arbeitstag und dem Freitags-Feierabendverkehr mitten in Düsseldorf erreichen wir in letzter Minute den Autoreisezug. Zu allem Ärger kam ich einen Tag vorher noch auf die Idee meinen alten Thermokombi neu zu imprägnieren und vergaß dabei, dass der nun nach Petrolium riechende Kombi, mir und meinen Freunde die Laune in dem kleinen Zug-Abteil tüchtig vermiesen konnte. Nachdem der Kombi incl. meiner genervten Stimmung in einen hermetisch abgeriegelten Müllsack landet, fällt der Alltag von uns ab und wir freuen uns auf unser bevorstehendes Abenteuer Transsylvanien. Mit den Solos durch die Bergwelt Österreichs, anschließend durch die Puszta von Ungarn, um letztendlich die Karpaten von Rumänien zu erreichen. Eigentlich nichts besonderes, aber wir wollen diese Reise nur auf Landstrassen und im Wintermonat Januar bewältigen.
Salzburg begrüßt uns mit einem sternenklaren Morgen. Pünktlich um 6 Uhr erreicht der Autoreiszug aus dem Ruhrgebiet den österreichischen Bahnhof und wir satteln die kleinen Wintermaschinen. Elmar fährt eine XT 660, Rainer die Honda SLR, Guido hat sich eine 26 Jahre alte CB400N mit wenig Kilometer zugelegt und ich fahre meine treue GPZ 305 mit 34 PS aus dem Jahr 1988. Natürlich haben wir die Maschinen im Vorfeld für diese Reise präpariert. Auf die Straßenmaschinen zogen wir die TKC 80 auf, es wurden Lenkerstulpen, Beinschilder und Schneeketten gebaut, die Maschinen bekamen entweder heizbare Griffe oder Handschuhe und nicht zu vergessen die heizbaren Socken aus dem Taucherbedarf. Mit Navigationsgerät, Werkszeug, Kaltmetall und einer Portion Mut sind wir bestens ausgestattet und hoffen auf Schnee und Eis. Das Gepäck wird auf ein Minimum reduziert und der Thermokombi entwickelt zum Standard der nächsten Wochen.
Im Formationsflug Richtung Bad Ischl, durchfahren wir die Bergwelt um Salzburg, plötzlich bleibt Elmar zurück. Die XT streikt! Nachdem wir die Zündung und den Vergaser kontrollieren, finden wir den klassischen Fehler. Je nach Position drückt der Tankrucksack den Tankentlüftungsschlauch vom Tankdeckel ab und das Benzin kann nicht mehr nachlaufen. Gegen Mittag zieht ein Schwarm Reiher über uns, die Sonne steht hoch über den Bergen und das Thermometer klettert auf plus 14 Grad. Halt, stopp, falsche Story…nein diese Wintertour entpuppt sich zur schönsten Frühlingstour! Na, das kann ja heiter werden! An einer der vielen Steigungen zwischen Wenigzell und Hartberg wird der Klang der GPZ immer lauter und proportional lässt die Leistung nach. Ein Riss am Interferenzrohr, dem Verbindungsrohr der zwei Auspuffrohre, entpuppt sich als Übeltäter. Und diese Druckverhältnisse mag die Kawasaki gar nicht. Genau an der Einfahrt zu einem kleinen Bauernhof kommen wir zum Stehen. Guido besorgt beim Bauern dicken Draht und ich bereite das Kaltmetall zum Abdichten vor. Die Rohre werden mit dem Draht fixiert und nach dem Aushärten des Kaltmetalls verschwinden wir eine Stunde später wieder in den kleinen Strassen der Bergwelt Österreichs. Gegen Abend erreichen wir, nach einer Tagesetappe von 400 KM, die Stadt Szombathely, kurz hinter der ungarischen Grenze. Eine altes Hotel, ein tolles Abendessen, im mitten einer ungarischen Tanzveranstaltung schließen einen gelungenen ersten Winterreisetag.
Sonne übern Balaton, oder eine Wintertraum wird warm Nach einer erholsamen Nacht in der Pension Liquet verlassen wir Szombathely bei +5 Grad am frühen Morgen. Der wolkenlose Himmel und die menschenleeren Strassen geben uns das Gefühl komplett alleine zu sein. Sind wir auch, denn es ist Sonntagmorgen und alle Ungarn befinden sich zu dieser Uhrzeit in den vielen kleinen Dorfkirchen und überlassen uns ihre Landstrassen. Unser Weg führt über Veszprem nach Balatonkenese. Nicht unser Blankenese, aber dafür ähnliche Temperaturen! 16 Grad zeigt mittlerweile das Thermometer. Der Plattensee zeigt sich von seiner schönsten Sommerseite und die heizbaren Socken und Handschuhe verschwinden in der Ortliebtasche! Ich komme um in meinem Thermokombi, es wird unerträglich heiß. Also weiter, mit der Sonne im Nacken fahren wir über Simontornya Richtung Dunaföldvar und staunen über die Ausmaße der Donau, die hier unserem Rhein in Duisburg in Nichts nachsteht. Gegen 17 Uhr erreichen wir Kecskemet und die Sonne plumpst förmlich vom Himmel. Zack, da ist es dunkel! Der Hotelangestellte eines ziemlich teuren Etablissements bringt uns zu einer neuen Privat- Pension in den nahe gelegenen Ort Künszentmarton. Dort zahlen wir nur den halben Preis und fühlen uns nach dem Abendessen pudelwohl.
Der morgen begrüßt uns wieder mit sonnigen 6 Grad und blauen Himmel. Die Fahrt wird lediglich durch vereinzelte Lastwagen und Pferdefuhrwerke begleitet. Kurz vor der rumänischen Grenze kontrollieren wir noch mal den Ölstand der XT und philosophierten über das erneute Antriebskettendurchhängen. Ja, das sind die Probleme dieser Welt für uns. Wir haben es schon schwer! Bei Gyula überqueren wir neben einem Fahrradfahrer unproblematisch die Grenze nach Rumänien. Hier tauschen wir Geld. Für einen Euro bekommen wir 3 Lei. Durch extrem kleine Strassen fahren wir über Chisineu-Cris, Ineu, Bontesti Richtung Stei. Die Strassen bestätigen unsere Rumänienbild. Große Schlaglöcher, träumende Dorf-Schweine auf der Strasse, suizidgefährdete Hühner und riesige Hunde, die nur darauf warten kleine ängstliche Motorradfahrer zu jagen, um anschließend siegessicher vor ihren Hundekollegen großkotzig grinsend auftreten zu können. Verrostete Mähdrescher und Autowracks säumen die Vorgärten und überall strahlen uns freundliche und erstaunte Gesichter an. Zwischen Gros und Vascau finden wir traumhafte Serpentinen, Steigungen mit Schneekettenpflicht, aber bei +4 Grad?? Die lebensmüde Hühner stellen sich grundsätzlich todesverachtend in den Weg des erschreckten Motorradfahrers. Geistesgegenwärtig weicht dieser dann aus und das verrückte Federvieh versucht es gleich noch einmal. Niedergeschlagen vom zweiten missglücktem Ableben, muss es sein trostlose Dasein als Huhn wieder aufnehmen. Dann gibt es den Split und Schotter, der wie eine zähflüssige Masse über die Strasse kriecht, um jeden Zweiradfreund das Fürchten zu lehren oder die Schlaglöcher, die immer dann aus dem Boden hervortreten, wenn die Wirbelsäule eh nach einer Pause schreit. Uns wurde auf jeden Fall nie langweilig und die Bremsen und Stossdämpfer hatten einiges zu leisten.
Bei Stei nimmt uns bei der Quartiersuche ein Fahrradfahrer in seine Obhut und bringt uns in einer wilden Fahrt über Fußgängerzonen und gesperrte Strassen zu einem Hostel. Ein typischer Ostblockbunker, der es aber buchstäblich in sich hat. Im Untergeschoß eine Pizzeria und ein riesiges Treppenhaus. In der ersten Etage jede Menge kleiner Räume jeweils ca. 16 qm groß, die die unterschiedlichsten Geschäfte beinhalten. Damenunterwäsche, Schuh- und Lebensmittelgeschäfte, Elektronikläden, sowie Damen vom leichten Gewerbe, alles dabei. Das Ding ist ein Multifunktionshaus mit Einkaufspassage und einer Hoteletage. Bei der Nachfrage, wo wir denn Parken können, wird uns ein Platz zugewiesen. Hotelflur links herum! Verdutzt sehen wir uns an und haben anschließend großen Spaß daran, die Treppe zur Eingangshalle mit den Motorrädern zu erklimmen. Mitten im Gebäude verstummen die Motoren und die Maschinen können sicher parken. Nach einem deftigen Spiegeleierfrühstück in der alten Ostblockspeisesaal-Atmosphäre satteln wir die Moppeds, da wir die Eishöhle Pestera Scarisoara erreichen wollen. Unterwegs bemerkt Elmar, dass er Motoröl auf seinem Hosenbein hat. Nach einigem Suchen stellen wir fest, das der im Rahmen befindliche Öltank auf Höhe des oberen Knotenbleches ein Leck hat. Das Öl läuft in das verschweißte Knotenblech und sucht sich den Weg über die drei Bohrungen direkt aus dem Knotenblech heraus Kurzum entscheiden wir die drei Löcher des Kontenbleches abzudichten und so den Tank zwangsläufig zu erweitern und abzudichten. Während Rainer und Guido die XT am Straßenrand fachmännisch zerlegen, bereitete ich das Kaltmetall vor. Die Leckage wird zuerst mit Benzin gereinigt, dann wird die Ölblutung mittels Tamponagen aus Papiertaschentüchern gestoppt und mit Kaltmetall abgedichtet. Sieht super aus und hält ewig.
Der Weg zur Eishöhle Über den Pass Pasul Vartop fahren wir in die malerischen Karpaten. Die Temperatur fällt bei strahlendem Sonnenschein auf minus 4,5 Grad. Bei Scarisoara biegt links ein Schotterweg ab. Dieser Weg wird immer heftiger und die Schlaglöcher strapazieren die Wirbelsäule. Diese 15 Kilometer lange Strecke, laut Reiseführer sehr abenteuerlich, kann man nur im Stehen befahren. Die Steigungen, der Schotter und die Eispassagen haben es in sich und machen riesigen Spaß. 1,5 Km vor dem Ziel ist aber kein Weiterkommen und nachdem Rainer seine SLR mehrfach auf die Seite legt, entscheiden wir den restlichen Weg zur Höhle zu Fuß zu gehen. In der Höhle herrscht ein Klima, wie in einem Kühlschrank und das ganze Jahr über beherbergt sie einen Eisgletscher. Als wir dort ankommen, ist die Höhle verschlossen! Ehe wir die Situation realisieren können, taucht aus dem Nichts ein Förster aus dem Wald auf und schließt uns das Tor die Höhle auf. Die Stiegen hinab zur Höhle sind vereist und lebensgefährlich glatt. Das bizarre Spiel der Eisskulpturen in der Höhle hält sich in Grenzen, aber was sich richtig lohnt, ist der Weg dorthin. Das Eis auf der Rückfahrt wurde Rainer wieder zum Verhängnis, und er fällt erneut auf seinen Schalthebel. Nachdem wir den Schalthebel gerichtet haben, seine malträtierten Ellenbogen inspizieren, fahren wir downhillmäßig zurück. Nach dieser schönen Tortur wird zum leiblichen Wohl in einem kleinen Dorf angehalten. In einem der vielen kleinen Magazinen kaufen wir frisches Brot und Würstchen. Bei dieser Gelegenheit beobachten wir das Treiben in so einem Dorf. Das Leben spielt sich an der einzigen Bushaltestelle ab. Ein buntes Treiben, Kommen und Gehen. Menschen stehen, reden und warten auf den Bus. Wenn er dann kommt, ist man plötzlich alleine und das Dorf verbreitet eine Totengräberstimmung wie in einem kitschigen Western. An einer Tankstelle beschreibt uns ein junger Mann auf Deutsch, dass normalerweise der Winter um diese Jahreszeit gut einen Meter Schnee bringt. Da Rumänien im Aufschwung ist, werden überall private Pensionen und Skihotel gebaut. Der ausbleibende Winter und fehlende Gäste machen nun den Menschen zu schaffen. Gegen 16 Uhr wird es langsam dunkel und es ist viel zu gefährlich in dieser Dunkelheit weiterzufahren. Zu viele Hühner, Hunde, Pferdekarren und Schlaglöcher bevölkern die Straße, und als Motorradfahrer zieht man immer den Kürzeren. Bei Lupsa übernachten wir in einer kleinen Pension direkt neben einem Kloster, dessen Glocken uns natürlich um 6 Uhr zum ersten Male aus dem Bett holen.
Auf nach Brasov Das Thermometer zeigt wieder minus 2 Grad an, die Sonne beobachtet uns wie wir die Motorräder routinemäßig bepacken. Über Buru, Sebes, Sibiu, Fagaras wollen wir heute in Richtung Brasov nach Zarnesty fahren. Von dort aus nach Bran zur Burg von Dracula. Unterwegs wird es immer kälter, das Thermometer steht mittlerweile bei -6 Grad! Bei Lungesti fahren wir auf einer extrem kleinen Nebenstrasse. Parallel zu einem Fluss animieren die Kurven zum Gasgeben, plötzlich stelle ich fest dass mein Vorderrad in der Kurve geradeaus fährt. Mit Entsetzen bemerke ich, dass die vom Fluss feuchte Strasse, komplett mit einer Eisschicht überzogen ist! Glücklicherweise ist es nur ein Teilstück und unbeschadet, aber vorsichtiger fahren wir weiter. Hinter der nächsten Biegung winkt uns überglücklich ein Mann heran. Er steht neben einem liegen gebliebenen Renault Espace mit französischem Nummernschild. Es wird eine Unterhaltung aus Deutsch, Französisch und weiteren Sprachbrocken. Nachdem wir nun wussten, dass sein Bruder in Hannover lebt, er in der 80er Jahren dort operiert worden sei, die Deutschen klasse sind, aber man auf die Rumänen aufpassen musste, kam er zum Wesentlichen. Er sei ein geschäftsreisender Türke aus Frankreich, der sich nun auf der Rückfahrt von der Türkei befindet und kurz einen geschäftlichen Abstecher durch Rumänien macht.
Leider hat er keinen Sprit mehr und steht seit ca. 3 Stunden in diesem Niemandsland. Wo ist denn die nächste Tankstelle oder der nächste Geldautomat? Unsere Antwort lässt ihm das Grauen im Gesicht aufsteigen, denn 60 KM zurücklaufen will er nicht. Leider hat er auch kein rumänisches Geld und mit seinem Handy, seiner Kreditkarte und seinem türkischem Geldschein, den er ständig vor uns herfuchtelt, kann er hier in der Pampa nicht viel anfangen. Mit einem plötzlichen Grinsen im Gesicht und möchte er wissen, wieviel Lei man für 200 Euro bekommen kann. Ich nenne ihm die Summe und schon zieht er seinen dicken, schweren, goldenen Siegelring vom Finger ab und drückt mir das Ding unerwartet in die Hand. 200 Euro kostet dieser Ring in der Türkei, er hat sie schließlich massenhaft zuhause und wir sind ja seine Freunde, für 100 Euro gehört der Ring mir! Ich mache profimäßig ein gelangweiltes Gesicht, (innerlich schon ein Vermögen an Gold vor den Augen) und erkläre ihm dass ich so einen Ring gar nicht gebrauchen kann. Er jammert gekonnt über sein Missgeschick und die Benzinknappheit und die bösen Rumänen, die nie angehalten hätten, aber der Ring muss jetzt für ganz kleines Geld weg. Nach einiger Zeit habe ich plötzlich 2 Ringe bei mir auf der Sitzbank liegen. Das ganze für50 Euro. Ich werde stutzig! Meinen fünfzig Euroschein halten wir beide an den Enden fest. 
Wir halten eigentlich nicht fest, wir ziehen daran! Die Szene ist filmreif. Nun ja, ich bereite der Sache ein Ende, ziehe einmal so kräftig an dem Geldschein, dass er kurz vor dem Zerreißen ist, stopfe die Ringe in seine Hemdtasche und bitte Elmar aus seinem XT-Reisetank 2 Liter Benzin in eine Wasserflasche zu füllen. Da wir nicht wissen, ob wir einem Betrüger oder doch einem Tankstellenopfer gegenüber stehen, schenken wir dem Mann den Sprit und noch 20 Lei. Überglücklich küsst er jedem von uns die Hände und wir ziehen weiter. Hinter Fagaras biegen wir auf die 73A, einer kleinen Strasse Richtung der großen Berge. Schnee und Eis werden zu unseren ständigen Begleitern. Die Serpentinen schrauben sich immer höher hinauf, aber die einsetzende Dunkelheit und Kälte macht uns zu schaffen. Durchgefroren erreichen wir unsere Pension Hora con Brasil in Zarnesti. Diese kleine Familienpension beschert uns traumhafte Zimmer, einen netten Familienanschluss und das Beste, ein leckeres Essen für sehr kleines Geld. Ausgeruht erkunden wir am Morgen die Umgebung. Wir wollen eine Rundreise zum Lac Balea starten, dort soll in jedem Winter eine Eiskirche entstehen. Über den Pasul Bran folgen wir der Strasse Richtung Curtea. Die Sonne und der Schnee strahlen in einem grellen Weiß. Die Serpentinenstrasse ist im guten Zustand und von der Sonne getrocknet, allerdings verbergen sich in den Schattenflecken tückische feuchte Stellen oder Splitt von der letzten Streu-Aktion. Immer wieder kommen uns Pferdefuhrwerke oder altersschwache LKWs mit Holztransporten entgegen. Sie quälen sich die Bergstrasse hinauf und hüllen uns in einer dicken Abgaswolke ein. Ihre Bremsen stinken bergab und es ist jedes Mal ein Adrenalin-Kick, diese unberechenbaren Vehikel im Blindflug zu überholen. Wir halten zwei Fußgänger an, wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber die Strasse hinter Curtea ist gesperrt. Die Eiskirche kann man also nur von der anderen Seite der Berge aus erreichen. Da es schon Nachmittag ist, machen wir uns auf den Rückweg ins 92 Kilometer entfernte Zarnesti. Plötzlich erschreckt mich ein lauter Knall, meine kleine 305er brüllt wie eine Bulltaco aus den 70ger Jahren.
Der Auspuff hat sich in 2 Teile gesprengt und baumelt nun traurig nebenher. Einfach durchvibriert!! Nun ja das Motorrad hat 20 Jahre auf dem Buckel und die rumänischen Strassen gaben ihren Teil dazu. Also setze ich mich an den Straßenrand und repariere in altbewerter Weise. Blechbüchsen und Draht sind schnell gefunden, denn der Müll in Rumänien ist ein echtes Übel und leider überall am Straßenrand zu finden. Das Kaltmetall wird durchgeknetet und schon geht es ans Werk. Während ich mir die Finger beim Drahtbiegen verdrehe, entdecken meine besten Freunde eine Herde Schafe und ein kleines Eselchen, dabei vergessen sie ihre Freundschaft und laufen alle drei vergnügt, hüpfend mit ihren Fotoapparaten durch die Botanik, um Fotos von den Tierchen zuschießen. Sie ignorieren meine Flüche, um mir später unschuldsbewusst bei der Arbeit zuzusehen. Von wegen harte Kerle, Freunde durch Dick und Dünn…! Ich repariere die Donnerbüchse und mit Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Quartier, in dem schon unser Abendessen duftet.
Brasov-Kronstadt Der nächste Tag führt uns wir ins 17 Kilometer entfernte Brasov. Die Altstadt ist von einer Stadtmauer mit Türmen und Basteien umgeben. Das landschaftliche Wahrzeichen der Stadt ist die Zinne (Tampa) der 955m hohe Hausberg der Stadt. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf die alte Bauweise. Brasov ist alt, aber gleichzeitig modern. Cafes und Einkaufspassagen unterscheiden sich in keiner Weise von den Unseren. Brasov hat den Flair einer modernen Stadt, in deren Hinterhöfen man immer noch das alte Rumänien finden kann. Überhaupt sieht man in Rumänien, wie überall gebaut und modernisiert wird. Es dauert zwar noch ein paar Jahre, aber Rumänien ist auf dem besten Wege sich der EU anzupassen. Aldi, Plus und Lidl-Filialen entstehen in den großen Stätten und die Strassen werden kräftig saniert. Aber abseits der Hauptstrassen, befinden sich immer noch die Slumviertel, die Müllkippen auf denen die Menschen hausen. Die LKWs werfen bei leichtem Nieselregen soviel Dreck auf, das wir an den Tankstellen die waren Helden sind. Überall freundliche und bewundernde Blicke, oder sind es bemitleidende Blicke…? Auf dem Markt kaufen wir Schlauchschellen und Fahrradspeichen ein, denn den Nachmittag verbringen Rainer und ich mit einer erneuten Reparatur am Auspuff und Federbein. Guido und Elmar nutzen die Gelegenheit um nach Predal zu fahren. Hier beginnt das Sportlerparadies der Karpaten, es ist der Ausgangspunkt für Wander- und Klettertouren. Außerdem ist das der bekannteste Ski Ort der Region. Auf ihrem Rückweg beginnt es zu schneien, und der Schnee zieht mit Ihnen nach Zarnesti. An nächsten Morgen versuchen wir erneut unser Glück, die Eiskirche bei Balea Lac zu erreichen. Über Sinca, Vad nach Caroara, führt die kurvenreiche Strasse durch idyllische Wald und Wiesenlandschaften. Zwischen dem 2544 Meter hohen Moldoveanu und dem 2535 Meter hohen Negoju soll die Strasse zur Eiskirche liegen. Die 7c schraubt sich traumhaft in die Bergwelt. Kleinen Dörfer, herrenlose Schafsherden und Greifvögel, die wie Geier auf den blattlosen Bäumen sitzen, säumen unseren einsamen Weg. Der Schnee sitzt in den Spitzkehren und die Winterlandschaft beginnt wieder zu wirken. An der Seilbahnstation Schluss., die Strasse ist jetzt vollkommen vereist und komplett gesperrt. Selbst die Seilbahn fährt heute nicht, das Wetter zwischen den Berggipfeln ist zu schlecht. Leider können wir auch diesmal die Eiskirche nicht erreichen, aber der tolle Weg, mit den vielen Abstechern in die Dörfer, hat uns vollends entschädigt.
Bran die Burg von Dracula Natürlich müssen wir auch die Burg von Dracula besuchen. Von weitem kann man diese Idyllische kleine Burg, die auf einen Felsmassiv thront, sehen. Irgendwann hat das alte Regime diese Burg zur Gruselanlaufstelle erklärt, aber vom Gruseln ist keine Spur. Diese Burg war bis zum Weltkrieg im Besitz des königlichen Herrschaftshaus und wurde von den weiblichen Familienangehörigen zum liebevoll eingerichteten Sommersitz genutzt. Ob jemals das legendäre Draculavorbild Vlad Tepes dort war, bleibt ein Geheimnis. Aber der Vergleich der alten Fotos in der Burg mit den heutigen Gegebenheiten macht schon Spaß. Um Burg herum wurde ein Museum mit rumänischen Holzbauten aufgebaut und auf dem Vorplatz tummeln sich die Andenken- und Kitschverkäufer.
Bilcaz-Klam, eine Schlucht der Superlative Uns zieht es nun in den Nordosten zur Bilcaz Schlucht. Über Brasov folgen wir der 12 in Richtung Gheorgheni, danach über den Pasul Bilcaz am Lac Rosu vorbei. Diese Landschaft erinnert mit seinen Nadelwäldern an Kanada oder Skandinavien. Die Straße führt bis auf den Grund der Schlucht, deren 100 Meter hohe Felswände an der engsten Stelle bis zu 6Meter zusammenrücken. Die geschlossenen Bretterbuden zeugen von einem reger Tourismus im Sommer, jetzt im Winter haben wir die kurvenreiche Strasse für uns alleine. Wir umrunden den 30 kilometerlangen Bilcaz Stausee und müssen aufpassen, aufgrund der grandiosen Aussicht, nicht von der Strasse abzukommen. Erschöpft finden wir im Dunkeln eine Unterkunft in Borsec.
Rückweg im Schnelldurchlauf Die Zeit drängt und wir machen uns auf den Rückweg. Wir durchqueren viele Dörfer die von Sinti oder Roma bevölkert werden. Die Prachtbauten sind mit allerlei Schnörkel verziert. Lange Beerdigungsprozessionen begleiten unseren Weg und teilweise müssen die Trauernden den rasenden Lastwagen ausweichen. An der ungarisch-slowakischen Grenze erreichen wir die alte Festungsanlage von Komaron. Diese 18 Hektar große Festungsanlage stammt aus dem 17 Jahrhundert und wurde selbst zu Zeiten des kalten Krieges noch militärisch genutzt. Heute beheimatet sie ein interessantes Militärmuseum und wir sind überrascht von den Ausmaßen der Anlage. Es wird wieder kälter und nach dem Regen in Györ erreicht uns wieder der Winter in Österreich. Natürlich versuchen wir auch hier wieder kleine Strassen zu finden. Rainer macht den fatalen Fehler und betätigt auf einer verschneiten Strasse die Vorderradbremse. Das Blinkerglas zerbricht und ein kleiner Motorradfahrer hüpft schimpfend um sein Motorrad. Er ärgert sich tierisch über seinen Anfängerfehler und seine ungeeigneten Straßenreifen. Wir heben das geschundene Vehikel auf, setzen den schimpfenden Mann darauf und fahren erst einmal weiter. Nach 15 Kilometer ist die miese Stimmung unter seinem Helm verflogen und wir kleben lachend über die vorangegangene Situation, den Blinker mit Isolierband. Der Donau entlang fahren wir über Budapest, Sopron, Wien Richtung Linz. Die Sonne verwöhnt uns aber die Temperaturen fallen mit -8 Grad weit unter dem Gefrierpunkt. Über Passau fahren wir zum Elefantentreffen nach Thumansbang Solla.
Elefantentreffen im Hexenkessel von Loh Wir haben es geschafft, nach einem Umweg von 4000 Kilometern haben wir das Elefantentreffen In Solla erreicht. Es hat kurz vor dem Treffen geschneit und 3500 verrückte haben den Weg hierhin gefunden. In dem Hexenkessel von Loh, einem Stockcar-Gelände, entsteht eine Zeltstadt besonderer Ausmaße. Teilnehmer aus ganz Europa treffen sich hier, um gemeinsam zu zelten und Ihre Motorraderfahrungen auszutauschen. Natürlich ist es auch ein Schaulaufen und die kuriosesten Fahrzeuge und Typen laufen hier auf. Indianerzelte, NSU Kettenfahrzeuge,Gespannumbauten, Badewannen mit Wärmetauscher in der Feuerstelle, Schottenröcke und geschundene Mofas, alles ist hier erlaubt. Aber es ist ein einzigartiges Treffen, bei dem die verschiedensten Nationalitäten friedlich zusammen sitzen und neue Freundschaften werden geschlossen. Im Laufe des Samstages ziehen sich die Wolken zusammen und die Sonne verschwindet hinter den Schneewolken. Der Himmel wird immer dunkler und während wir uns auf dem Rückweg zur Pension machen, bricht ein Schneechaos über uns herein. Die Schneefahrzeuge schaffen schon lange nicht mehr die Strassen zu räumen und wir kommen nur noch mit den selbstgebauten Schneeketten voran. Hier schließt sich der Kreis, mit den offenen Fragen: Habe ich das Richtige gemacht? Ist eine Winterreise nach Rumänien sinnvoll und kann man Motorradfahren mit Schnee und Eis verbinden??
Diese Fragen kann ich mit einem eindeutigen Ja beantworten. Im Winter zu fahren, ist ein einmaliges Erlebnis und es war unser Abenteuer 2007! Der nächste Morgen zeigt sich wieder von seiner freundlichen Seite. Die Strassen sind frei und der Weg zum Autoreisezug nach München ist einfach zu bewältigen. Abends erreichen wir Düsseldorf und das Ruhrgebiet hat uns wieder. Rumänien ist noch etwas Besonderes und man muss es entdecken. Da waren die freundlichen Autofahrer, die uns immer wieder bei jeder Gelegenheit grüßen. Die vielen alten Menschen in den Dörfern, denen man die körperliche Arbeit der vergangenen Jahre ansah. Die hohe Polizeipräsenz in einem noch so kleinen Dorf, die vielen Pferdefuhrwerke und wilden Straßenhunde. Tückische Bahnübergängen mit losen Schienen und kaputten Asphalt. Mit Erschrecken denke ich noch an die Pansen-Suppe, die uns einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die wir als Motorradfahrer im Winter genießen konnten, wird uns lange im Gedächniss bleiben. Es war die Tour der Gegensätze, arme und reiche Länder, Sommer und Winter vereint in unserem Abenteuer 2007. weiter zur Bildergalerie
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